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Georgijagen und Striezelwerfen im österreichischen UNESCO-Verzeichnis

Die österreichische UNESCO-Kommission hat am 6. November 2025 sechs neue Elemente in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Unter den aufgenommenen Elementen befinden sich zwei aus Kärnten, beide aus dem zweisprachigen Gebiet und wurden daher in beiden Landessprachen in die Liste aufgenommen: Georgijagen / Šentjurja jagat und Striezelwerfen in Stein im Jauntal / Metanje štručk v Kamnu v Podjuni.

Die feierliche Urkundenübergabe fand am 5. Dezember in Krems an der Donau statt. Die Anwesenden wurden vom Generalsekretär der österreichischen UNESCO-Kommission, Martin Fritz, begrüßt, der aus der Gemeinde Finkenstein stammt. Für das Institut für Slawistik der Universität Klagenfurt und das Slowenische Volkskundeinstitut Urban Jarnik nahm die Ethnologin Herta Maurer-Lausegger, Mitglied des erweiterten Ausschusses, an der feierlichen Übergabe der Urkunden teil. Zusammen mit der Ethnologin Martina Piko-Rustia verfasste sie ein Gutachten zum Element Georgijagen. Bei der Verleihung trugen Kinder Sprüche, die beim Georgijagen aufgesagt werden, in deutscher und slowenischer Sprache vor, worauf sie jedes Mal laut in Ochsenhörner bliesen und einer von ihnen läutete mit einer großen Kuhglocke. Für ihren Auftritt erhielten sie tosenden Applaus.

Die Initiative zur Eintragung des Georgijagens im oberen Rosental und der Umgebung der Ossiacher Tauern ging von der Dorfgemeinschaft Latschach aus, die verschiedene Initiativen zusammenführte und einen gemeinsamen Antrag stellte. Die DG Latschach vertritt eine breite Initiative von Trägern des Brauchs, zu der auch die slowenischen Kulturvereine in Finkenstein gehören, die sich um die Erhaltung der slowenischen Sprüche beim Umzug von Haus zu Haus am Vorabend des St.-Georgs-Tages, dem 22. April, kümmern. Der erste, der über den Brauch „Georgijagen” schrieb, war Matija Majar – Ziljski im Jahr 1841. Niko Kuret veröffentlichte 1977 einen Kurzfilm über das Georgijagen in Petschnitzen. Es sind zahlreiche Aufzeichnungen über den Brauch und Aufzeichnungen der Sprüche sowohl in der slowenischen als auch in der deutschen Literatur erhalten geblieben. Interessant sind die Archiv-Tondokumente des Slowenischen Programms des ORF und die Aufnahmen, die Herta Maurer-Lausegger in den 1980er Jahren gemacht hat.

Das Striezelwerfen in Stein im Jauntal ist ein bekannter Brauch, der jedes Jahr am ersten Sonntag im Februar vor der Pfarrkirche in der Gemeinde St. Kanzian am Klopeiner See stattfindet. Striezel, das sind kleine Brötchen aus Roggenmehl, werden vom Balkon der ehemaligen Burgmeierei geworfen. Eine große Menschenmenge wartet darauf, die gesegneten Stiezel zu fangen, die die Menschen vor Krankheiten, Hunger und Unglück schützen sollen. Für die Eintragung des Brauchs sorgte der Kulturverein Stein im Jauntal, die Empfehlung verfasste Jože Till. „Das Werfen der Striezel am Tag der Heiligen Hildegard ist eine große Tradition in Stein, und die Gemeinde St. Kanzian ist sehr stolz darauf, die Urkunde entgegenzunehmen“, betonte der erste Vizebürgermeister Alois Lach (SPÖ) in slowenischer Sprache bei der feierlichen Übergabe der Urkunden zur Eintragung in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich, als er das Striezelwerfen in Stein im Jauntal kurz auch in slowenischer Sprache vorstellte. Die Einwohner von Stein brachten Roggenstriezel mit, die eine Einheimische in die Menge warf. Wer ein Striezel fing, hatte Glück.

Die Aufnahme beider Bräuche in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes ist mit der Verpflichtung verbunden, die Bräuche, die uns von früheren Generationen überliefert wurden, auf zeitgemäße Weise an die jüngere Generation weiterzugeben und dafür zu sorgen, dass sie lebendig bleiben – auch in beiden Landessprachen.

Die österreichische UNESCO-Kommission hat vor fünfzehn Jahren die ersten Elemente in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Bislang wurden insgesamt 178 Elemente eingetragen, darunter vier aus dem zweisprachigen Gebiet Kärntens: slowenische Flurnamen und Hofnamen, der Gailtaler Segen und die Gailtaler Tracht sowie die beiden neu eingetragenen Elemente.