Image: Nužej Tolmaier (1942–2025)

Nužej Tolmaier (1942–2025)

Image: Nampolach/Napole, Gailtal

Nampolach/Napole, Gailtal
„Poljana“ bezeichnet eine kultivierte Fläche vor allem angesichts ihres schönen Anblicks. Foto: H. Gröblacher

Image: Inschrift am Haus vlg. Lucman

Inschrift am Haus vlg. Lucman
Greuth/Suha, Maria Elend/Podgorje

Image: Inschrifttafel

Inschrifttafel
Wagnerwerkstatt in Srajach/Sreje bei St. Jakob i. Ros./Šentjakob v Rožu, Anfang des 20. Jh.

Image: Die Untergailtaler Kirchtagsbräuche und Tracht

Die Untergailtaler Kirchtagsbräuche und Tracht
wurden 2018 als erstes zweisprachiges Element in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen, Foto: J. Fikfak

Image: Wegweiser in Zell/Sele, Foto: N. Olip

Wegweiser in Zell/Sele, Foto: N. Olip

Trauer um unseren verstorbenen Obmann Nužej Tolmaier

Nužej Tolmaier war langjähriger Sekretär des Christlichen Kulturverbandes und Obmann des Volkskundevereins Urban Jarnik in Klagenfurt. Als unermüdlicher Kulturarbeiter der slowenischen Volksgruppe setzte er sich zeitlebens um die Förderung der slowenischen Kultur und den Erhalt des kulturellen Erbes in Südkärnten ein. Er wurde 1942 im Lager Frauenaurach in Erlangen geboren, wohin seine Familie vertrieben wurde. Sein ganzes Leben lang war er in der Kultur aktiv. 1965 erhielt er eine Anstellung beim Christlichen Kulturband und beim Rat der Kärntner Slowenen. Im Dezember 1965 wurde er zum Sekretär des Christlichen Kulturbandes gewählt und übte diese Funktion 39 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2004 aus. Im gleichen Jahr wurde er zum Obmann des Slowenischen Volkskundevereins gewählt und übte diese Funktion bis zuletzt aus.

Der Christliche Kulturverband (KKZ) hat während seiner Tätigkeit ein breites Spektrum an Aktivitäten entwickelt, die sich auf alle Kulturbereiche erstrecken – von Theater, Gesang und Literatur bis hin zur Umsetzung von Forschungsaktivitäten. Viele Aktivitäten sind zu einem festen Bestandteil des KKZ geworden, wobei sich Nužej Tolmaier besonders um die Jugendarbeit bemühte. In seiner Organisation erschienen zahlreiche Publikationen auf dem Gebiet der Musik und Ethnologie sowie Monographien zu verdienstvollen Persönlichkeiten. Nužej Tolmaier setzte sich auch für die Gründung der Slowenischen Musikschule in Kärnten, für die Präsentation der kulturellen Aktivitäten der Kärntner Slowenen bei den Kärntner Kulturtagen in Ljubljana, Maribor und im italienischen, zweisprachigen Küstenland.

Als der Christliche Kulturveband eine volkskundliche Abteilung gründete, konzentrierte Nužej Tolmaier sein ganzes Organisationstalent auch auf die Erhaltung der Volkskultur der Kärntner SlowenInnen. Die Tätigkeit im Bereich der Ethnologie nahm danach stark zu, woraufhin 1992 das Slowenische Volkskundeinstitut Urban Jarnik als eigenständige Forschungsinstitution und 1994 der Volkskundeverein Urban Jarnik als Rechtsträger des Instituts gegründet wurden. Mit Hilfe vieler externer MitarbeiterInnen, EthnologInnen und ExpertInnen anderer Wissenschaften, die Nužej Tolmaier begeistern konnte, wurden bedeutende Forschungen und Dokumentationen durchgeführt, wie z. B. die Dokumentation von Lebensgeschichten der Kärntner SlowenInnen, interdisziplinäre Studien zu einzelnen Orten (Zell/Sele, Rinkenberg/Vogrče, Eberndorf/Dobrla vas), Erforschung der Tracht und Bekleidungskultur im Gail-, Rosen- und Jauntal, Dokumentation des Architekturerbes, kunsthistorische Studien, Forschungen zum Brauchtum, über Märchen und Sprichwörter, Kinderspiele, Tanztradition, Volksmedizin, Dokumentation slowenischer Inschriften auf Grabsteinen, Dokumentationen slowenischer Haus- und Flurnamen und nicht zuletzt zahlreiche Forschungen zu Volksliedern, denen Nužej Tolmaier eine besondere Aufmerksamkeit schenkte.

Tolmaiers Liebe zu den heimischen Volksliedern kommt insbesondere in seiner umfangreichen Liedersammlung Tiha zemlja zum Ausdruck. Das Buch enthält Volkslieder von den ältesten Aufzeichnungen bis zu Liedern, die noch heute in Radsberg/Radiše und Umgebung gesungen werden. Unter seiner Leitung wurde auch das Museum für Alltagsgeschichte in Köstenberg/Kostanje eingerichtet. Darüber hinaus hat Nužej Tolmaier immer wieder junge ForscherInnen unterstützt und ihnen ihre ersten Publikationen ermöglicht.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Slowenischen Volkskundeinstituts trauern um ihn, danken ihm für all seine Unterstützung und sprechen seiner Familie aufrichtiges Beileid aus.

Počivaj v miru!