Slowenische Dialekte in Kärnten

Das Slowenische Volkskundeinstitut unterstützte das Projekt „Erforschung der Dialekte“ in Kärnten der Ethnologin und Dialektologin Dr. Herta Maurer-Lausegger. Es unterstützt die Herausgabe von Dialektwörterbüchern, führte die Dokumentation der slowenischen Dialektwörter für das materielle Erbe durch und gibt Dialektliteratur heraus.

Dr.in Herta Maurer-Lausegger: Erforschung der Dialekte in Kärnten

Langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet der Feldforschung und Entwicklungen im methodologischen Bereich brachten Dr.in Herta Maurer-Lausegger zur Erkenntnis, dass akustische Aufnahmen für eine authentische Wiedergabe der Sprache nicht ausreichen und dass es notwendig sei für Dokumentationen die Videotechnik einzubeziehen. Herta Maurer-Lausegger erarbeitete für das Projekt (ab 1994) folgendes Konzept: Dokumentation der lebendigen Mundart am so weit als möglich natürlichen, interaktiven Schauplatz, und zugleich das aussterbende, ethnologisch bedeutende Erbe zu erfassen. Die bisherigen Videoaufnahmen behandeln folgende Bereiche:

Mühlen und Sägewerke, Schafzucht, Arbeitsgerät für die Feldarbeit, Schlitten und Holzbringung mit Pferden sowie Pferdegeschirr, Brotbacken in Rauchküchen und Holzdach-Decken.

Die Textbeilagen der Filme enthalten alte Fotografien, den Filmtext in phonologischer Transkription mit Übersetzungen ins Deutsche und die Übertragung in die slowenische Standardsprache.

Dialektwörterbücher

2017 erschien das Dialektwörterbuch des oberen Rosentales/Zgornji Rož, das auf Grundlage von Verzeichnissen von Pater Bertrand Kotnik entstand und von seinem Neffen Franc Kattnig vervollständigt wurde. In Vorbereitung sind auch das Wörterbuch aus Achomitz/Zahomec im Gailtal, das Milka Kriegl erstellte und das Lexikon über den südöstlichen Dialekt des Jauntales/Podjuna, das Dr. Pavel Apovnik vorbereitete.

Erzählgut und Dialektliteratur

In einem mehrjährigen Projekt bearbeitete Mag.a Martina Piko-Rustia für eine Publikation die slowenischen dialektalen Erzählungen aus dem Gail-, Rosen- und Jauntal. Das Buch Iz semena pa bo lipa zrasla erschien 1996. 2015 gab das Institut Urban Jarnik die dialektalen Gedichte von Maria Bartoloth aus Göriach/Gorje im Unteren Gailtal heraus und sorgte für ihre Übertragung in die slowenische Schriftsprache und Übersetzung ins Deutsche. Die Gedichtsammlung Zilščǝ pušǝlč enthält auch ein Verzeichnis der Dialektwörter und Phrasen mit Erklärungen sowie eine DVD, auf der die Autorin die Gedichte im Dialekt liest. 2021 folgte von derselben Autorin die Herausgabe des im Gailtaler slowenischen Dialekt geschriebenen Märchens Mijalca majalca, das ebenfalls in die slowenische und deutsche Schriftsprache übertragen wurde. Dem Buch ist eine CD, auf der die Autorin das Märchen im slowenischen Dialekt erzählt, beigelegt.

Materielles Erbe und Dialektbezeichnungen

Das Slowenische Volkskundeinstitut dokumentiert das bewegliche materielle Kulturgut in Südkärnten. Gleichzeitig erheben die MitarbeiterInnen des Instituts auch die Terminologie und die dialektalen Varianten eines Objekts. Auf der Grundlage des Erhebungsbogens, der für die Museumsdokumentation des Museums für Alltagsgeschichte in Köstenberg/Kostanje erarbeitet wurde, wurden auch erhaltene Objekte in privaten Haushalten des Gail-, Rosen- und Jauntales dokumentiert. Ebenso wurde die umfangreiche Sammlung von Hanzi Lutschounig, vlg. Mvačnik, in Saberda/Zabrda bei Göltschach/Golšovo dokumentiert. Hanzi Lutschounig war leidenschaftlicher Sammler von alten Gegenständen, die er nach dem Abbruch des alten Wohnhauses im Jahr 1960 zu sammeln begann. Bei der Familie Lutschounig wurden 547 Objekte dokumentiert.