Slowenische Flur-und Hofnamen

Im Jahr 2010 wurden die slowenischen Flur- und Hofnamen in Kärnten auf Initiative des Urban-Jarnik-Instituts in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Martina Piko-Rustia vereinte damals alle Vertreter der slowenischen Kulturvereine und Einzelpersonen, die sich um die Erhaltung dieser Namen bemühten.

Der Antrag musste von „Trägern“ einer überlieferten Fertigkeit oder Tradition gestellt werden – im Falle der slowenischen Flur- und Hofnamen waren dies die Sammler, die die Namen aufzeichneten. Die Grundlage für die Aufnahme bildeten die Wandkarten von Jozi Pack und die Landkarten mit slowenischen Flur- und Hofnamen, die in Köttmannsdorf/Kotmara vas und Zell/Sele im Jahr 2008 herausgegeben wurden. Jahrhundertelang dienten die mündlich überlieferten Flur- und Hausnamen der Bevölkerung als Orientierungshilfen in der Natur und Kulturlandschaft. Flurnamen benennen die kleinsten geografischen Einheiten, durch die heutige großflächige Bearbeitung in der Landwirtschaft drohten diese in Vergessenheit zu geraten. Sie sind bedeutendes immaterielles Kulturerbe, denn sie geben in der ursprünglichen Benennungssprache Aufschlüsse über die Bodenart, Bewuchs, Geländeform und Nutzungsarten und ermöglichen dadurch auch tiefe Einblicke in die regionale Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Die Aufnahme der slowenischen Flur- und Hofnamen in das österreichische Verzeichnis der UNESCO stieß auf großes Medieninteresse, es folgten viele Einladungen zu Vorträgen und Martina Piko-Rustia wurde in die Arbeitsgemeinschaft für Kartographische Ortsnamenkunde (AKO) aufgenommen. Die ersten Landkarten mit dem UNESCO-Logo erschienen im Jahr 2011 (St. Margareten im Rosental/Šmarjeta, Schiefling am Wörthersee/Škofiče).

Interregionales Projekt FLU-LED

Von 2011–2015 verlief das Interreg-Projekt FLU-LED im Rahmen des Programms OP SI-AT 2007–2013. Partner im Projekt Kulturportal der Flur- und Hausnamen waren der Slowenische Kulturverband (Leadpartner), der Christliche Kulturverband, die Entwicklungsagentur Razvojna agencija Gorenjska und das Museum Gornjesavski muzej Jesenice. Das Institut Urban Jarnik wirkte im Projekt als Fachexperte mit und war für die Erarbeitung einer einheitlichen Methodologie und für die Erstellung der Landkarten zuständig. 2012 erschien auf Slowenisch eine Publikation, in der die Methoden der Erfassung der Flur- und Hausnamen, der Transkription von Dialektnamen und der Standardisierung der Namen vorgestellt sind. In Kärnten erschienen im Projekt vier Landkarten (Finkenstein/Bekštanj, St. Jakob im Rosental/Šentjakob, Feistritz im Rosental/Bistrica, St. Margareten im Rosental/Šmarjeta), drei Landkarten erschienen in Slowenien (Kranjska Gora, Jesenice, Tržič). Im Projekt entstand auch ein Webportal, auf dem alle gesammelten Namen veröffentlicht und lokalisiert sind: www.flurnamen.at oder www.ledinskaimena.si. Das Projekt wird auch nach Abschluss des Interreg-Projekts fortgeführt. Im April 2019 stellte der Slowenische Kulturverband die erneuerte Webseite FLU-LED mit der interaktiven Landkarte und der Möglichkeit zur Teilnahme vor.

Tätigkeit in der Arbeitsgemeinschaft (AKO)

Martina Piko-Rustia nimmt seit 2012 regelmäßig an den Sitzungen der Arbeitsgemeinschaft für Kartographische Ortsnamenkunde (AKO) teil. Die AKO versteht sich als Koordinationsgremium aller in Österreich mit geographischen Namen befassten amtlichen Dienststellen sowie der zuständigen wissenschaftlichen und privaten Institutionen, mit dem Hauptziel, die Standardisierung der geographischen Namen Österreichs im Sinne der Empfehlungen der Vereinten Nationen zu fördern. Martina Piko-Rustia berichtet in diesem Gremium über die Dokumentation der Flurnamen in Kärnten, über die aktuellen Diskussionen der Neubenennungen von Straßen oder über die Problematik der Berücksichtigung der slowenischen geografischen Namen auf amtlichen Landkarten. Das Flur- und Hofnamenprojekt in Kärnten wurde in Folge auch schon vom ehemaligen Vorsitzenden der AKO, Dr. Peter Jordan, auf internationaler Ebene präsentiert, z. B. 2016 in Bangkok und 2017 bei der Konferenz der Vereinten Nationen zur Standardisierung geographischer Namen in New York.

Best-Practice-Beispiel

Anlässlich des 10. Jahrestages der Unterzeichnung des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes veröffentlichte die österreichische UNESCO-Kommission im Juli 2019 zehn ausgesuchte Best-Practice-Beispiele, die sich auf lokaler und (über)regionaler Ebene als beispielhafte Projekte für den Erhalt und die Weitergabe des immateriellen Erbes an jüngere Generationen verdient gemacht haben. Diese Auszeichnung erhielt auch das Projekt der Dokumentation der slowenischen Flur- und Hausnamen in Kärnten. Die Kommission stellte fest, dass in diesem Projekt die Prinzipien und Ziele des UNESCO-Übereinkommens im besonderen Maße erfüllt werden, weil sich die Träger für die Entwicklung zeitgenössischer und kreativer Formen der Tradierung an jüngere Generationen einsetzen, das sind z. B.: die Webseite www.flurnamen.at / www.ledinskaimena.si, gedruckte Landkarten und Workshops für Jugendliche.